(45) Deutsch-Latein mal unklassisch
Shownotes
Letztes Jahr haben wir in den Folgen 41 und 42 über Stilkurse besprochen und dabei auch ein paar Ideen formuliert, wie wir das Thema Deutsch-Latein-Übersetzungen anders angehen würden. Dieses Monat versuchen wir, einige dieser Ideen in die Praxis umzusetzen.
Hört uns zu, wie wir unsere jeweiligen Versionen einer Rück-Übersetzung von Cicero präsentieren und die Varianten mit Blick auf das "warum eigentlich?" diskutieren. Dabei reicht das Spektrum von ewigen Fragen wie "Steht hier Konjunktiv oder nicht" bis hin zu den Feinheiten zwischen Adverbien wie certe und profecto. Und natürlich sprechen wir auch darüber, was Cicero selbst geschrieben hat und was wir aus dem Vergleich der drei Versionen und deren Verhältnis zum Deutschen lernen können - abseits der Kategorien "richtig" und "falsch".
Den diskutierten Text in allen Versionen findet ihr am Ende dieser Shownotes. Unsere einführenden Folgen zu Stilkursen findet ihr hier und hier.
Wir freuen uns, wenn ihr den Podcast abonniert, bewertet, rezensiert, weiterempfehlt oder auf Steady oder direkt über PayPal unterstützt!
Kapitelmarken:
(00:00:00) Intro
(00:06:06) Vorbemerkungen zum Text und unserer Herangehensweise
(00:28:53) Der erste Satz
(01:28:00) Der zweite Satz
(01:58:37) Rückblick und Fazit
Hier könnt ihr den diskutierten Text in allen Versionen mitlesen:
Satz 1
Deutsch: Aber falls ein Gott mir euer Wohlwollen, mich anzuhören, verschafft, werde ich bestimmt bewirken, dass ihr versteht, dass ein Mensch nichts so sehr fürchten muss wie die Missgunst, (und) dass ein Unschuldiger, wenn er Missgunst auf sich gezogen hat, nichts so sehr erhoffen muss wie einen gerechten Prozess, weil allein in diesem sich ein Ende der unbegründeten Schande findet.
Janas Version: Sed si qui deus mihi uestram beneuolentiam audiendi conciliauerit, certe efficiam ut intellegatis uiro nihil tam timendum esse quam inuidiam, neque innocenti, cum inuidiam susceperit, quicquam tam sperandum esse quam causam iustam, in qua sola finis dedecoris inmeriti inueniatur.
Patricks Version: At deo studium audiendi me praebente haud dubito quin faciam ut intellegatis nihil invidia nocentius nec quicquam innocenti, ubi primum in invidiam inciderit, optatius excogitari posse quam iudicium iustum, quod solum finem ignominiae sine causa habeat.
Ciceros Version: sed si qui mihi deus vestram ad me audiendum benivolentiam conciliarit, efficiam profecto ut intellegatis nihil esse homini tam timendum quam invidiam, nihil innocenti suscepta invidia tam optandum quam aequum iudicium, quod in hoc uno denique falsae infamiae finis aliquis atque exitus reperiatur.
Satz 2
Deutsch: Daher habe ich große Hoffnung, dass, wenn ich durch meinen Vortrag alles umfassen konnte, eure Sitzung, von der man glaubte, sie würde für den Angeklagten furchtbar sein, letztendlich eine Zuflucht für sein elendes Schicksal sein wird.
Janas Version: Itaque magnopere spero, si omnia referre potuero, consessum uestrum, quem reo horribilem putauerunt, tandem refugium eius sortis miserae futurum.
Patricks Version: quare spem magnam conceptam habeo me omnia orando complexo consessum vostrum olim reo formidolosum futurum iudicatum contra huius fatum miserabile tamquam portum excepturum.
Ciceros Version: Quam ob rem magna me spes tenet, si quae sunt in causa explicare atque omnia dicendo consequi potuero, hunc locum consessumque vestrum, quem illi horribilem A. Cluentio ac formidolosum fore putaverunt, eum tandem eius fortunae miserae multumque iactatae portum ac perfugium futurum.